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Halle-Wittenberg 1817–2016
Von den vielen wichtigen Ereignissen und Persönlichkeiten,
welche für die hallische Universität im 19. und 20. Jh. relevant
waren, können hier nur wenige genannt werden.
Im Jahre 1862 erfolgte deutschlandweit die Einrichtung des
ersten Lehrstuhls für Landwirtschaft. Die Universität hatte
ihr Domizil ursprünglich in der Ratswaage am Markt (nicht
mehr vorhanden). Im Jahre 1834 wurde das Hauptgebäude
auf dem Gelände des ehemaligen Barfüßerklosters fertig ge-
stellt. Die markanten Löwenplastiken zieren die Freitreppe
des Gebäudes seit 1868. In den darauf folgenden Jahrzehn-
ten kamen mehrere neoklassizistische Gebäude am Univer-
sitätsplatz hinzu, darunter der Sitz der Juristischen Fakultät,
das THOMASIANUM (1911).
Die „Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg“, wie
sie seit 1817 hieß, erlebte zwischen 1933 bis 1945 schicksal-
hafte Jahre. Aus Anlass des 450. Geburtstages Martin Luthers
(10. November) erhielt sie am Reformationstag (31. Oktober)
1933 ihren heute noch gültigen Namen. Bedeutende Ge-
lehrte jüdischer Herkunft wurden von den nationalsozialisti-
schen Machthabern vertrieben.
Mit der Besetzung Halles durch die sowjetische Armee am
1. Juli 1945 wurde die Universität geschlossen, um im Ok-
tober 1946 in Anwesenheit der Besatzer wiedereröffnet zu
werden.
Die politischen Verhältnisse während der folgenden Jahrzehnte brach-
ten Kuriosa, Flucht, Denunziation, Maßregelung und Vertreibung, aber
auch Standhaftigkeit der Unbeugsamen hervor. Nach der politischen
Wende von 1989/90 wurden neue Strukturen geschaffen, welche
grundsätzlich dem Prinzip der Freiheit von Forschung und Lehre ver-
pflichtet sind. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist heute
eine konkurrenzfähige und international geachtete Bildungs- und For-
schungseinrichtung. An ihr studieren zur Zeit ca. 20.000 Studentinnen
und Studenten. Die moderne Architektur am Universitätsplatz (Juridi-
cum [1998], Auditorium maximum [2002]) spricht für sich.
Das heute noch gebräuchliche amtliche Doppelsiegel der Martin-
Luther-Universität Halle-Wittenberg vereinigt das Siegel der Universität
Wittenberg (rechts) und das Siegel der Universität Halle (links). Im rech-
ten Siegel ist der Gründer der Uni-
versität Wittenberg, Kurfürst Fried-
rich III. von Sachsen (1486–1525),
zu sehen, während das linke Siegel
den Gründer der Universität Halle,
Kurfürst Friedrich III. von Branden-
burg (1688–1713), zeigt.
Heiner Lück
Foto: Nicole Kunze
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Die Geschichte der Universität
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